Porträt Eugen Sedlmayr

Porträt Eugen Sedlmayr

Seit über 60 Jahren ist Eugen Sedlmayr Mitglied beim Post SV Nürnberg. Davon war er 35 Jahre als Baureferent tätig und hat in dieser Zeit die Entwicklung der Sportanlagen des Vereins maßgeblich mitgeprägt. Auch heute bringt er seine Erfahrung als Mitglied des Expertenkreises ein und berät den Vorstand bei Architekturfragen. Anlässlich unseres 100-jährigen Vereinsjubiläums blicken wir noch einmal gemeinsam mit ihm auf besondere Bauprojekte, wegweisende Entscheidungen und eine ungewöhnliche Auseinandersetzung mit der Stadt Nürnberg zurück.

Als Eugen Sedlmayr 1963 Mitglied beim Post SV Nürnberg wurde, ahnte er vermutlich noch nicht, wie sehr er die bauliche Entwicklung des Vereins einmal prägen würde. 1981 übernahm der Diplom-Ingenieur und Architekt Aufgaben im Baureferat und Präsidium. Insgesamt 35 Jahre engagierte er sich als Baureferent für die Weiterentwicklung der Vereinsanlagen.

In dieser Zeit begleitete er zahlreiche Bauprojekte. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die umfangreichen Veränderungen auf dem Vereinsgelände am Ebensee, die Ende der 1980er-Jahre ihren Anfang nahmen.

Große Veränderungen am Ebensee

Anfang 1987 erhielt Sedlmayr vom damaligen Vereinsvorsitzenden Günter Heyert den Auftrag, mehrere bedeutende Baumaßnahmen auf dem Vereinsgelände umzusetzen.

Eine der größten Herausforderungen war die Neugestaltung des sogenannten C-Platzes. Der bestehende Fußballplatz sollte um 90 Grad gedreht werden, um am südlichen Ende Platz für drei neue Tennisplätze zu schaffen. Gleichzeitig mussten aufgrund der angrenzenden Wohnbebauung umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen berücksichtigt werden. Dazu gehörten ein Lärmschutzwall und eine Lärmschutzwand an der Ostseite des Geländes.

Doch nicht nur die Sportplätze sollten modernisiert werden. Auch der Fitnessbereich wurde erweitert. Im Anschluss an den bestehenden Kraftraum sollte ein neues Fitnessstudio entstehen, das damals noch als „Sportkabinett“ bezeichnet wurde. Ergänzt werden sollte es durch Damenumkleiden und einen Duschbereich. Für das Vorhaben musste ein bestehender Holzbau an einen anderen Standort versetzt werden.

Weitere Projekte folgten: 1990 wurde die Halle an der Landgrabenstraße ausgebaut, 1997 und 1998 stand der Ausbau des Sportzentrums Nordost auf dem Programm.

Ein Kunstrasenplatz als echtes Novum

Besonders bemerkenswert war die Entscheidung, den neuen C-Platz auf Wunsch der Fußballabteilung mit einem Kunstrasenbelag auszustatten. Was heute auf vielen Sportanlagen selbstverständlich ist, war damals eine echte Besonderheit.

Nach Sedlmayrs Erinnerungen gab es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Sportverein in ganz Bayern, der über einen solchen Belag verfügte. Entsprechend groß war die Unsicherheit, ob sich der neuartige Untergrund im Trainings- und Spielbetrieb bewähren würde.

Kurzerhand machten sich einige Spieler und Verantwortliche der Fußballabteilung gemeinsam auf den Weg nach Baden-Württemberg. Dort bestand bereits die Möglichkeit, einen Kunstrasenbelag unter realen Bedingungen zu testen.

Der Eindruck war durchweg positiv. Nach der begeisterten Rückmeldung der Beteiligten stand fest: Auch der neue C-Platz am Ebensee sollte mit Kunstrasen ausgestattet werden.

Eine Entscheidung, die für die damalige Zeit durchaus Pioniercharakter hatte.

Als eine Lärmschutzwand zum Baustopp führte

Doch nicht alles verlief bei den Baumaßnahmen reibungslos. Eine besonders kuriose Geschichte ereignete sich nach der Errichtung der geplanten Lärmschutzwand.

Aufgrund einer Beschwerde aus der angrenzenden Nachbarschaft ordnete die Bauordnungsbehörde der Stadt Nürnberg einen Baustopp an. Der Grund: Durch die neu errichtete Lärmschutzwand sei die bisher freie Sicht beeinträchtigt worden.

Für Sedlmayr war die Angelegenheit klar. Gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsmitglied Dr. Egon Bauer suchte er das Gespräch mit der Stadt Nürnberg. Dort vertrat er die Auffassung, dass nach deutschem Nachbarschaftsrecht grundsätzlich kein Anspruch auf eine freie beziehungsweise unverbaute Aussicht bestehe.

Mit Erfolg: Dem Einspruch des Vereins wurde nach Sedlmayrs Schilderung unverzüglich stattgegeben. Bereits nach drei Tagen konnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden.

Eine Episode, die zeigt, dass neben technischem Fachwissen auch Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsgeschick gefragt waren, um große Vereinsprojekte voranzubringen.

Jahrzehntelanges Engagement – bis heute

Ob die Neugestaltung der Sportplätze am Ebensee, die Erweiterung der Fitnessbereiche oder der Ausbau weiterer Sportstätten: Eugen Sedlmayr hat über viele Jahrzehnte dazu beigetragen, die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Sportbetrieb beim Post SV Nürnberg zu verbessern.

Und auch heute ist sein Engagement für den Verein nicht beendet. Als Mitglied des Expertenkreises steht er dem Vorstand weiterhin beratend zur Seite und bringt insbesondere bei Fragen rund um Architektur und bauliche Entwicklungen seine langjährige Erfahrung und sein Fachwissen ein.

Sein Einsatz steht beispielhaft für die Menschen, die unseren Verein über Generationen hinweg prägen – mit ihrer Fachkompetenz, ihrer Zeit und ihrer persönlichen Verbundenheit.

Im Jahr unseres 100-jährigen Vereinsjubiläums blicken wir deshalb nicht nur auf sportliche Erfolge und besondere Veranstaltungen zurück, sondern auch auf Persönlichkeiten wie Eugen Sedlmayr, die den Post SV Nürnberg über Jahrzehnte mitgestaltet haben und sich bis heute für seine Zukunft einsetzen.

Lieber Eugen, vielen Dank für deinen jahrzehntelangen Einsatz, deine wertvolle Unterstützung und deine außergewöhnliche Verbundenheit mit dem Post SV Nürnberg!

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